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Es war ein geplanter Kaiserschnitt, allerdings erst am 05.05.06! Einen Tag vorher sollte ich mich in der Klinik vorstellen, wegen der Narkose-Besprechung. Eine nette ältere Hebamme sah mich an, als ich auf dem Flur auf die Narkose-Ärztin wartete. „Haben sie Schmerzen“, fragte sie. Ich sah sie verwundert an, weil sie die einzige seit Monaten war, die bemerkte, dass es mir echt nicht gut ging. Wie oft hatte ich es dem Arzt gesagt, doch der nahm mich nicht ernst. „Ja geht so“, sagte ich, „ich bekomme schon länger so schlecht Luft“, meinte ich und grinste noch dabei. „Heute ist es besonders schlimm, aber morgen ist ja der Kaiserschnitt.“ „Wann wurde der letzte Ultraschall gemacht“, fragt sie. Ich sagte, „weiß nicht, schon länger her“. Dann verschwand sie wieder. Nach einer Weile kam sie zurück. Ich bemerkte, wie aufgeregt sie war, „wir machen noch mal einen Ultraschall, nur zur Kontrolle“, meinte sie, aber ich bekam so ein komisches Gefühl. Es wird schon alles werden, beruhigte ich mich und folgte ihr. Der Arzt kam und machte einen Ultraschall, er meinte alles in Ordnung, aber die Hebamme meinte können wir das Kind nicht heute schon holen mir gefällt das alles nicht. Er war einverstanden, ich jedoch überhaupt nicht, da ich mich ziemlich überrumpelt fühlte. Versuchte es ihnen noch aus zureden, doch die Hebamme rief schon im OP an und der war auch noch frei... ich bekam Angst. Versuchte meinen Mann zu erreichen, doch der war mit unserer großen Tochter auf dem Spielplatz. Oh nein... dachte ich, dann muss ich da wohl alleine durch. Ich wollte nur eine PDA, wie damals bei meinem ersten Kaiserschnitt. Doch leider klappte es nicht! Plötzlich hatte ich schreckliche Schmerzen und dann bemerkte ich nur noch wie mein Mann umgezogen vor mir stand, dann fehlen mir die Bilder. Während ich schlief ging wohl alles schief was man sich nur so vorstellen konnte......Während der Operation stellten sie innere Blutungen fest im Bereich der alten Narbe, was die Schmerzen erklärte. Zum Glück hatte die Hebamme dieses Gefühl gehabt, sonst wäre ich womöglich heim gefahren und wäre verblutet, so hieß es später. Aber schlimm muss gewesen sein, als sie unsere kleine Maus sahen. Klein, schwach, hilflos und irgendwie wie nicht von dieser Welt. Ihr Herz schlug, aber sie war zu schwach um zu atmen. Niemand ahnte ihre Diagnose, weil sie nicht typisch schien. Alles wurde getan um sie stabil zu bekommen - ich schlief noch immer. War selbst schwach und lag auf der Intensivstation, wo ich dann irgendwann ganz allein aufwachte. Direkt hatte ich ein ungutes Gefühl, warum war niemand da, dachte ich. Ich sah mich um. Überall Geräte, ich konnte nicht weg. Ich rief „Hallo!“ - Keine Antwort! Irgendwann kam eine Schwester, aber sie gratulierte mir nicht, sie sagte nichts und legte mir nur etwas in die Hand. Ich konnte meine Hand nicht heben, alles war wie taub, deshalb sah ich auch nicht was sie mir gegeben hatte. Dann schlief ich noch mal ein. Als ich aufwachte kam gerade mein Mann herein. Er sah gar nicht gut aus, "was ist los", fragte ich! Ich bemerkte sofort das er mir irgendetwas verheimlichen wollte... dann begann er zu weinen und sagte, dass unsere kleine Maus Startschwierigkeiten habe und die Ärzte sie in die Kinderklinik nach Bremen fliegen wollen. Dann zeigte er mir ein Foto von IHR. Ich liebte sie direkt! Ich will zu ihr, befahl ich. Ich hörte schon, wie ein Hubschrauber auf dem Dach landete... bring mich zu IHR!! Ich hatte Angst! Dann kam der Kinderarzt und sagte mit einem völlig unmenschlichen Auftreten, dass ich meine Tochter vermutlich nicht mehr lebend wieder sehen werde, da sie schwer krank sei! Ich verstand auf Anhieb dass er mit Lina ein Problem hatte, war so ein Gefühl, was sich später aber auch bestätigte.
Der Transport war ein absoluter Alptraum, ich merkte jeden Stein auf der Straße und hin und wieder rollte mir eine Träne von Hilflosigkeit über meine Wange. Erst dann bemerkte ich in meiner Hand diese Figur, die mir die Schwester gegeben hatte - es war eine kleine Mutter Gottes, sie hatte schon meine ganze Hand verfärbt... ich war froh, dass ich sie hatte, fragte mich jedoch gleichzeitig, was sich der liebe Gott wohl dabei dachte. Dachte er überhaupt??? Dann waren wir endlich da und ich hatte höllische Kopfschmerzen. Ich konnte plötzlich nichts mehr sehen und ich sagte zu den Sanitätern, ich kann nichts sehn, ich kann nichts mehr sehn. Ich wurde panisch... Angst machte sich breit! Ich wurde auf mein Zimmer gebracht und ein Arzt kam zu mir. Ich hatte schreckliche Kopfschmerzen und sah nichts!!! Er beruhigte mich, obwohl mir das überhaupt nichts nützte, die Narkose PDA war falsch gesetzt worden und anstelle im Wirbelkanal nach unten zu laufen ist es nach oben gelaufen, also in Richtung Kopf, deshalb hatte ich so schreckliche Nebenwirkungen. Es war die Hölle... ich lag da, konnte nichts, sah nichts, hatte nichts und wollte doch nur eins: bei IHR sein. Bei meiner kleinen Lina Sophie. Wie ging es ihr wohl... ich weinte wieder heimlich vor mich hin. Dann kam mein Mann und erklärte mir alles über den Verlauf. Er war wie versteinert und ganz geschafft. “Warum“, sagte er und weinte, ich tröstete ihn. Obwohl ich so schwach war, er merkte es nicht!! Es war Nacht, mein Mann war zu Luisa nach Hause gefahren, als ich endlich von einer Minute auf die Nächste sehen konnte. Ich beschloss zu Lina zu gehen. Lebensmüde, aber egal - ich schlich über den Flur, alles war still, ich kannte den Weg nicht, aber ich fand ihn. Ich hielt mich an der Wand fest musste mich mal wieder zusammen reißen... es funktionierte .Da stand ich nun vor der Schleuse der Kinderintensivstation, eine nette Schwester bemerkte mich und kam mit einem Rolli angefahren, ich war froh, dass sie nicht schimpfte und auch noch direkt verstand, wer ich war. Sie war echt lieb..... Sie fuhr mich zu ihr und hielt meine Hand, das tat gut!! Ich zitterte und erschrak, als sich ein Gefühl in mir breit machte..... ich wollte plötzlich, dass sie weg ist, sie sollte verschwinden, ich wollte nicht, dass sie sich schlecht fühlt. Und ich wollte, dass der liebe Gott endlich kapiert, dass er gerade Scheiße baute. Ich war sauer und traurig und schrecklich hilflos. Die Schwester brachte mich zurück auf die Station... ich wollte mein eigenes Kind zu diesem Zeitpunkt nie wieder besuchen. Zum Glück war der Schock bald vorbei, denn ich schämte mich für diese Abwehrreaktion diesem kleinen Menschlein - meinem Menschlein gegenüber. Am nächsten Tag kam Luisa. Sie wollte ihre
Schwester schließlich auch begrüßen, ich hatte Angst vor ihrer Reaktion.
Aber das war unnötig, weil sich nur wieder einmal bestätigte, dass wir
dummen Erwachsenen von unseren Kindern so einiges lernen können. Danke
dir Luisa! Ich fuhr mit dem Rolli, Luisa auf meinem Schoss zu Lina. Luisa küsste Lina direkt und streichelte ihre Hand völlig ohne Scheu... dann sagte sie: „Mama warum weinst du, denn ist doch alles gar nicht so schlimm, guck doch mal genau hin, sie hat wie ich eine STUPSNASE“. Es stimmte und ich musste lachen und gleichzeitig weinen. Ein Schauer fuhr durch meinen Körper, ich war endlich aufgewacht. Ab diesem Satz hatte ich dank meiner kleinen großen Luisa begriffen, dass ich die Verantwortung für dieses kleine Püppchen habe und ich mit ihr kämpfen muss und nicht gegen sie. Ich begann noch am gleichen Tag damit...
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