Lina Sophie

Linas letzte Monate

 

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Linas letzten Monate ...

Juni 2008 bis Januar 2009

 

Nach unserem Aufenthalt im Hospiz fuhr ich mit den Mädchen mit neuen Kraftreserven nach Hause.

Lina hatte sich sehr gut erholt vom letzten schlimmen Infekt und sie gab mir das Gefühl, dass wir in einen schönen Sommer starteten.


Dass es unser letzter Sommer mit Lina wurde, wusste ich damals zum Glück nicht!!


Ich genoss die Momente, wenn es ihr gut ging.

 

Diese Phasen ließen in mir neue Kräfte wachsen.

So saugten wir sie auf.


Wenn ich davon sprach, dass es ihr gut ging, meinte ich Phasen ohne Infekte.

 

Sauerstoff und Sonde waren immer unsere Begleiter und auch das Inhalationen, Pulsoxymeter und Spritzen waren meine Handtaschenfreunde.

 

Sie gehörten einfach dazu, wie bei anderen Kindern der Schnuller.


Der Tagesablauf und ihre Pflege mussten immer gut organisiert sein, besonders nachts.

Aber ihr freches Lächeln und ihre Art mir zu zeigen, dass sie glücklich war - ließen uns alle sehr gut mit der Situation zurecht kommen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Luisa Marie ging es gut.

Sie war guter Dinge und hatte auch schnell in Patrick einen guten Freund gefunden.

Ja, es war eine schöne Zeit.

Ich konnte mal etwas aufatmen.

Lina erlebte einen schönen Sommer, mit vielen Ausflügen, baden im Pool und vielen langen Spaziergängen.

 

 

 

 

 

 

 

 

Besuche auf Omas und Opas Bauernhof und reiten.

 

Viele lustige Tage haben wir erlebt.....wie locker ich mittlerweile mit ihr umgehen konnte.


Sie fuhr gerne auf dem Fahrrad mit, sicher saß sie nicht perfekt im Fahrradsitz, aber hinter ihrer Sonnenbrille konnte man strahlende Augen blitzen sehen.


Denn wenn Lina eines wollte, dann Action gut dosiert!!!

 

Viele Meilensteine konnte ich entdecken. Viele Steine schienen aus dem Weg geräumt.

 

Pysio. und Logo. brachten enorme Erfolge und Lina genoss es immer mehr in Ihrem Stehtrainer zu stehen oder Süßes vom Löffel zu lutschen.

 

Wir hatten endlich alle Hilfsmittel und es war einfach herrlich sie zu beobachten, wie sie es genoss in Gesellschaft zu sein.

 

Wenn Freitags der Eiswagen kam und mit Melodie durchs Dorf fuhr, schlug ihr Herz schneller und ihre rechte Hand trommelte so lange auf ihre Oberschenkel, bis sie ihre Kugel Eis bekam.


Ich war jedes mal fasziniert, wie gut sie unterscheiden konnte was schmeckt.


Alles Gesunde musste also weiter durch die Sonde, aber Eis und Süßes ging immer von oben.

 

Leider aber warf uns jeder Infekt zurück, besonders mit dem Schlucken bemerkten wir deutliche Phasen.

Mal klappte es super mal was es eine Katastrophe und das Absauggerät musste her.


Sie verschluckte sie rasch und niemand Ungeübtes durfte sie füttern.

 

Wenn sie am Abend auf dem Sofa lag und mit Luisa das Sandmännchen sah....sah sie ihre Schwester zwar mehr an, als in den TV, aber das war auch alles was sie wollte - bei Luisa sein.

 

Wenn Luisa mittags um 12 aus der Kita kam, füllten sich Linas Augen wieder mit Glanz....sie wollte noch mehr....mehr unter Kindern sein.


Ihre Schwester war alles für sie, aber Luisa hatte auch ihr eigenes Leben.

Viel Sport, Kindergarten, Verabredungen und ich wollte nie, dass sie wegen Lina auf irgendwas verzichten musste.

 

Ich begann zu grübeln, wie so oft....

Ich überlegte nach vielen Nächten voller Gedanken, sie in einem Integrativen Kindergarten vorzustellen.

Ich machte einen Termin aus und fuhr mit Lina in die Einrichtung ... ich hatte lange darüber nachgedacht.

Nie hatte ich gedacht, dass ich für Lina mal einen Kindergarten ansehe.

Jetzt war es soweit....

Linchen war auf dem Rücksitz genauso aufgeregt wie ich und sah vergnügt aus dem Fenster.


Claudia, unsere Kinderkrankenschwester, nahm ich zur Unterstützung mit.

 

Wir wurden herzlich empfangen und sahen uns die Einrichtung genau an.


Ich war schließlich super skeptisch, aber das lag daran Lina Sophie in „Fremde Hände“ zu geben.

Lina sah sich alles gelassen aus ihrem Rolli an.

Lautierte etwas, aber fühlte sich wohl!!

 

Freche Zöpfe ließen sie keck aussehen.

Nicht Lina, sondern ich war das Problem!!


Ich stellte Mengen an Fragen und stellte sie vielleicht auch doppelt, aber die Dame war sehr verständnisvoll.

Sie war schon ehrlich und sagte auch, dass ein Kind so wie Lina mit so hohem Pflegeaufwand selten für diese Einrichtung war.

Was nicht heißen sollte, dass sie es sich nicht zutrauten!!

Kinder mit Linas Krankheit gab es halt in dieser Situation im Kindergarten leider nie.

Schnell merkte die nette Dame auch, wie wach und aufmerksam Linchen zuhörte und sagte: "Ich freue mich auf die Zeit mit ihrer Tochter. Sie ist echt toll!!"

 

Nach diesem Satz hatte sie gewonnen, wir wollten das Abenteuer Lina-Kita wagen!!

Lina grinste zustimmend.

 

Viel Papierkram musste erledigt werden. Sie brauchte ein Attest vom Gesundheitsamt.

Einen Einzeltransport mit Taxi zum Kindergarten mit ausgebildeten Begleitpersonen. In der Einrichtung auch eine Krankenschwester an ihrer Seite um die medizinische Versorgung zu gewährleisten.

Es war alles klar. Der erste Kindergartentag sollte der 18. August 2009 werden.


Dass ich Angst vor diesem Schritt hatte, konnte ich nicht leugnen.


Mein kleines Mädchen mit ihren Tücken und vielen Besonderheiten in fremde Hände zu geben... machte mir einen flauen Magen.

 

 


Jeder, der ein gesundes Kind hat, weiß schon, wie komisch es sich im Herzen anfühlt, wenn man am ersten Kita-Tag zu seinem Kind "TSCHÜSS“ sagen muss!


Aber unsere Raupe liebte es unter Kindern zu sein, deshalb wollte ich es möglich machen und sprang über meinen Schatten.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wir beschlossen gemeinsam mit den Erziehern ein mal pro Monat die Einrichtung für ein paar Stunden zu besuchen. Lina konnte sich so besser damit anfreunden und ich mich natürlich auch.

Aber jetzt war es ja auch noch Zeit bis dahin.


Jetzt musste erst dieser Sommer noch gemeistert werden, aber Lina ging es ja so gut wie nie.


Lina genoss es im Garten zu stehen und Luisa und ihren Freundinnen beim Planschen zuzusehen.

 

Mit ihrer getönten Brille hatte sie den vollen Durchblick. Ihre Augen waren stark lichtempfindlich und durch die Gabe von Cortison wurde dies nicht besser, sondern noch langsam verstärkter.

Aber sie brauchte das Cortison für die Lunge.


Wir freuten uns, dass sie so eine schöne Zeit hatte.


Wir kauften ihre ersten Schuhe, ich begann im Schuhladen zu weinen, weil ich so stolz war, dass mein Mädchen Schuhe bekam. Sie sah im Rolli damit gleich viel kräftiger aus. Nicht so zerbrechlich klein!!


Leute im Schuhladen sahen mich komisch an als wenn ich spinne - “Wieso heulte die denn" - ich war einfach glücklich!! Luisa und Patrick genossen mit mir diesen Moment.

Wir kaufen diese Schuhe nicht um naiv zu glauben dass sie irgendwann darauf läuft, sondern weil es einfach cool aussah.

Und wir stolz waren, dass sie endlich eine Schuhgröße erreicht hatte.

Mit 2 Jahren Größe 18!!

Sie wollte ja schließlich in die Kita, dann auch mit Schuhen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Lina war lange infektfrei und ich meldete sie wieder zur Schwimmtherapie an.

Linas Skoliose hatte sich wieder mehr verschlechtert und sie genoss es im Wasser bewegt zu werden.


Sie planschte zu gerne - uns gab es ein Stück Normalität.


Luisa erlernte dabei auch Schwimmen und machte das Seepferdchen.


Im Wasser hatten wir einen 15 Meter langen Sauerstoffschlauch und das Wasser war 30 Grad warm ...

 

Ich war froh ein Schwimmbad gefunden zu haben, die es uns möglich machten.

 

Leider entzündete sich die Sonde dadurch öfter, aber was für das eine gut war - war für das andere schlecht.


Ich entschied weiter zu machen, weil Lina so viel Spaß daran hatte.


Es wurde immer mehr ein Familienausflug ... alle wollten Lina beim schwimmen zu sehen.

 

 

 

 

Es kam eine lange Phase, wo wir ohne Absauggerät und mit wenig Antibiotikum klar kamen.

Eine lange Phase bedeutete 4 bis 6 Wochen.


Es mussten ihre Impfungen nachgeholt werden, im Kindergarten war das wichtig.

Die Impfungen schwächten sie oft Tage und ich hatte Angst, dass sie sich wieder einen Infekt zuzog.

Aber sie war mal relativ stabil und ich wurde gelassener.


 

 

 

 

Immer diese Angst -  was war morgen - sie zerrte an mir.

Diese guten Wochen brauchte ich immer um mich innerlich etwas zu beruhigen.

Mein Körper zeigte mir die ersten Anzeichen von Erschöpfung und ich brauchte einen Ausgleich!!


Ohne Patrick hätte ich ihn mir sicher selbst nie genommen!!

 

 

 

 

 

 

 

Wir gingen am Abend viel zum Sport oder mal was Essen, wenn die Kinderkrankenschwestern für Lina kamen. Sie waren natürlich auch für Luisa da.

 

Luisa mochte alle und sie schlief immer durch. Ich selbst musste lernen los zulassen.

 

Ich weinte oft wenn ich die Tür hinter mir zu machte, aber dann mit der Zeit gewöhnte ich mich daran.

Ich hatte immer das Handy griffbereit und wie oft wurden wir auch angerufen, weil es Lina plötzlich schlecht ging!!

Wir eilten heim, weil ich wusste ,wenn sie Luftnot hatte, konnte nur noch Mama oder Morphium helfen.

Wir waren halt ein eingespieltes Team.

Mit der Zeit jedoch lernten auch Patrick und Claudia jede Situation kennen und wurden sehr fit mit dem Umgang jeder Notsituation ... ich konnte ihnen blind vertrauen.

Claudia hatte einfach so ein richtiges Händchen, dass ich erlaubte Lina auch mal mit zu sich nach Hause zu nehmen, Lina war gerne dort in der Familie um wieder unter Kindern zu sein.

 

Und wir hatten mal Zeit unsere 4 Wände ohne Krankenschwester zu genießen.

Aber ich war unsagbar dankbar für diese Unterstützung.

 

Sie kamen jetzt seit Januar für jede Nacht und ein paar Stunden am Wochenende am Tage, dann machten wir mit Luisa Ausflüge.


Wenn es Lina schlecht ging blieben wir oft einfach nur daheim mit Spielen bei Kerzenschein und Luisa genoss es und Lina saugte jede Minute auf wie ein Schwamm.


Ihre kleine Welt....das waren WIR!


Es gab Momente, wo ich meine 3 wichtigsten Menschen in meinem Leben ansah und mir eine Träne lief, weil ich wusste, was Glück für mich bedeutete!!

 

Sicher war nicht alles einfach, aber wir waren mit dieser Besonderheit glücklich.

Ich war sehr dankbar, dass ich gemeinsam mit Patrick das Familienunternehmen meisterte.

 

Lina war eine Nachteule, die Nächte waren immer anstrengend.

 

Sie war weiterhin fasst nur wach und genoss ihre nächtlichen Massagen und die langen Lesestunden.

Viele Extrawünsche für unser Raupe wurden eingeführt und umgesetzt.

 

Trotz der vielen Momente; wo ich gerne auch normal geschlafen hätte, genoss ich die Zeit mit ihr nachts wenn alles schlief. Es war unsere Zeit....ich verlor nie die Geduld.

Wieso??

WIESO NICHT!!!!

Es war Lina!! Und wer Lina böse sein konnte, hatte etwas falsch gemacht.

 

 

 

 

Der Sommer verging und der Herbst kam mit großen windigen Schritten in unser Dorf.

 

Routine Untersuchungen waren wieder an der Reihe und ich hatte wie immer ein mulmiges Gefühl dabei.

Wollte keine schlechte Nachricht hören und sah immer selbst genau hin wenn ihre Lunge und ihr Herz per Ultraschall geschallt wurden und ihr Gehirn wegen der Zyste untersucht wurde.


Wartete gespannt ihre Blutwerte ab und wurde fasst verrückt, wenn sie zum Zahnarzt musste.

 

Lina hatte keine schönen Zähne, dank des Antibiotikums ... aber daran mussten wir uns gewöhnen.

Sie waren schmerzfrei, nur eben nicht schön!!

 

Alle Untersuchungen waren weit aus positiv und ich hüpfte vor Erleichterung innerlich über einen dicken Hügel. Mein Herz schlug Purzelbäume und ich sah uns über einen großen Berg geklettert ... jetzt freute ich mich auf einen langen geraden Weg ohne viele Täler und Berge.

 

Aber leider sollte jetzt wohl erst der größte Berg auf uns warten.

Damals wusste ich es noch nicht.

 

Ich fuhr erleichtert von Hagen zurück auf dem Rücksitz Claudia mit Lina, wir freuten und über die guten Nachrichten!!

 

 

Wir veränderten ein paar Medikamente, passten die Dosierungen neu an und waren guter Dinge.

 

Ich war jedoch etwas skeptisch das Cortison niedriger zu dosieren oder gar weg zu lassen.

 

Hatte immer schlechte Erfahrungen dabei gemacht, aber der Arzt meines Vertrauens wollte es gerne versuchen.


Linas Herz hätte es gut getan ohne Cortison zu leben ... ich versuchte es!!

 

Tage später entwickelte Lina wieder viel Schleim und aß wieder schlechter vom Löffel.

Ihr Darm wurde träge und irgendwie machte sich wieder in mir diese Unruhe breit.

 

 

 

 


Ich ahnte- es lag am Absetzen vom Cortison. Ich war mir sicher!!

 

Ich telefoniert mit dem Arzt täglich hin und her....es wurde schlechter trotz allem.

Über Nacht entwickelte sie plötzlich massiv Schleim lagerte ein und bekam ganz schlecht Luft.

 

Sie hatte schlechte Werte und ich saugte sie halbstündlich ab...sie weinte schlimm und kläglich!

 

 

 

 

 

 

Inhalierte ständig und lief im Garten mit ihr mit Wolldecke auf und ab.


Sie bekam hier besser Luft.

Mit großen Kulleraugen sah sie mich an ... auf meinem Arm ging es ihr immer gut.


Sie schlief ein....wurde dabei langsam immer blauer und ich merkte sie erstickt mir....ich rannte ins Haus und gab ihr gegen die Anweisung ihres Arztes wieder Cortison stark dosiert.


Eine halbe Stunde später wurde kein Schleim mehr nach produziert und sie bekam wieder Luft.

 

Grinsend aber blass schlief sie mir auf dem Arm ein.


Die ganze Nacht saß ich mit ihr so da...ich sah sie nur an und dachte Linchen was soll uns das wieder sagen!!


Patrick rannte nervös und müde hin und her und versorgte uns mit allem was wir brauchten bis ich ihn ins Bett schickte, freiwillig ging er nie.


Er war geschockt, wie schlecht es Lina wieder ging und war sauer auf die ganze Welt.

Er fragte noch zu viel nach dem Warum!!


Ich verstand ihn, schließlich dachte ich auch -so oft wieso das alles, wieso Lina!


Aber dann dachte ich wieder- irgendwann werde ich es verstehen.

Und auf dieses Warum eine Antwort finden.

 

Es war eine schöne Nacht das Dörfchen lag schlafend unter uns und ich hatte etwas Angst vor dem nächsten Morgen.


Ich schlief irgendwann so sitzend mit ihr ein.


Patrick weckte uns und hatte sich schon um vieles gekümmert er fuhr mit einem unguten Gefühl zur Arbeit.

Lina hatte aber wieder gute Sauerstoffwerte und sah rosig aus ich versuchte sie in ihr Bett zu legen meine Arme streikten und ich blieb lange einfach neben ihr stehen....legte ihre Lieblings-CD ein und wählte die Nummer des Arztes.


 

Er reagierte toll, er verstand mich nur zu gut und lobte mich für mein Verhalten ....zum Glück dachte ich...mein Handeln war richtig gewesen.

 

Lina ging es stündlich besser....

 

Also konnte sie nicht mehr ohne Cortison leben ,damit konnte ich auch leben und ihre Lebensqualität war gut!!

 

Darauf kam es an.


Sie erholte sich schnell und nahm auch etwas an Gewicht zu ohne Einzulagern und ich hatte mich versuchte etwas zu beruhigen.

 

Auffällig waren bei Lina nach wie vor beim Schlafen ihre Schweißperlen auf der Stirn, ihre massiven Schlafprobleme und ihre extreme Lichtempfindlichkeit.


Was sie jedoch endlich gut vertrug war die Sondenkost.


Keine Magen-Darm Infekte oder Soor ärgerten uns.


Ich war zufrieden und der Herbst ging in den Winter über...die Tage rannten nur so dahin.

 

 

 

 

 

 

 

In der Zwischenzeit waren viele Gerichtstermine gewesen und ich hatte das Sorgerecht für Lina nun allein!!

Was für viele nach einem Machtspiel aussah war für mich die Angst nicht Situationen alleine entscheiden zu können, wenn es darauf an kam...Reanimation u.s.w!


Ich war erleichtert nach Monaten mit Theater endlich für Lina reagieren zu können.

 

Etwas Ruhe kam in mich hinein eine Patientenverfügung für Lina Sophie setzte ich auf um für eine ungeplante Situation alles vorbereitet zu haben.


Patrick unterstützte mich bei allem und ich fragte mich zu oft ,wie es ohne ihn überhaupt die ganze Zeit geklappt hatte.

Es hätte trotz der vielen Ängste und Sorgen mein ganzes Leben so bleiben können.

Alle, die uns besuchten, verstanden oft nicht wie man trotz der „BESONDEREN“ Zeit glücklich sein konnte.

 

Aber alle, die Lina kannten, wussten, dass sich jeder Kampf für sie lohnte zu kämpfen.


Lina gehörte zu uns und das wusste sie ganz genau, sie genoss kleine Ausflüge auch wenn sie danach völlig fertig war.


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Es wurde November, der erste Schnee lag und Luisa feierte ihren 5. Geburtstag.

 

 

 


Lina fand diese Party in der Wohnung super, aber auch phasenweise stressig. Dann genoss sie die Ruhe in ihrem Zimmer.


Für Luisa war es ein toller Tag. Sie hatte selbst Linas Rolli mit Luftschlangen geschmückt!!

Abends lehnte ich mich zurück und war froh, wenn solche Tage gelungen waren, weil ich oft Angst hatte ich packe es nicht mehr.

Ich packte es aber doch immer....

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Dezember stand vor der Tür, Lina war nun 2 Jahre und 7 Monate alt und konnte zum ersten mal mit raus in den Schnee.

Patrick und Mareike hatten Linas Schlitten umgebaut und so gesichert mit Rehaoberteil, dass wir gut in den Schnee raus konnten.

Ich war skeptisch aber Lina war bereit für die erste Tour.

Der Schnee lag bis zum Fenster....herrlich kalt.

Dick eingemummelt zogen wir hinaus....Linchen saß mit Wärmflasche in ihrem Schneesack auf dem außergewöhnlichen Schlitten und genoss die Zeit...lautierte etwas, aber alles war für sie in bester Ordnung.

 

 

Viele Leute auf der Straße sahen uns verdutzt an...und lächelten dann.

Jeder freute sich mit.

Ich war glücklich...tolle Idee!

 

Viele Wochen fielen die Krankenschwestern aus wegen Krankheit.

 

Irgendwie waren wir damals auch direkt froh, endlich mal keine Leute in der Wohnung zu haben.

Die Therapien fielen auch in der Weihnachtszeit aus und so hatten wir einfach Zeit nur für uns.


Luisa hatte Ferien und genoss das Spielen daheim und Lina war glücklich, das Luisa viel da war.

 

Selbst die Katze traute sich selten in den Schnee hinaus und so kam die kuschelige Adventszeit in die Wohnung.

 

Wir schmückten alles schön weihnachtlich und es wäre alles traumhaft gewesen ,wenn Lina nicht plötzlich wieder über Nacht erkrankte.


Luisa war Tage vorher etwas krank aus der Kita gekommen und war schon nach 2 Tagen wieder fit, aber Lina haute dieser Infekt völlig um.

 

Sie war schlapp, blass und nahm an Gewicht ab.

War sehr unruhig und wir begannen wieder mit dem vollen Programm.


Trugen sie abwechselt hin und her. Ich hatte ein ungutes Gefühl....ich konnte kaum noch was essen, denn ich sah sie blitzen die ersten Spitzen....ich begann mir auszureden, was mein Köper-mein Gefühl mir sagen wollte.

 

Die Zeit lief ab!!

 

Patrick wollte davon nichts hören, er wollte einfach nichts davon wissen, aber auch er spürte es.


Luisa veränderte sich, blieb viel daheim, einfach bei ihr sitzen und las ihr ausgedachte Geschichten vor.

Ich weinte heimlich vor mich hin...ich sah sie immer mehr.

 

Ich durfte jetzt nicht schlapp machen, aber ich hatte Angst so schreckliche Angst.


 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Ärzte wollten mich beruhigen und sagten dies ist nur wieder ein Infekt....sie waren sich sicher dass es so war!!


Aber ich wusste es war einfach anders!!


Bitte nicht zu Weihnachten dachte ich....bitte überhaupt nicht, dachte ich!!


Meine Gefühle fuhren Achterbahn.


Patrick und ich weinten uns oft in den Schlaf.

Lina schlief ab jetzt nur noch bei uns in der Mitte.


Sie genoss es sichtbar.

Eine Hand streckte sie nach rechts eine nach Links.....ich traute mich kaum einzuschlafen zählte jeden ihrer Atemzüge.

 

Patrick lag einfach nur da und sah sie an...Nächte lang.....

 

Wir wechselten uns mit Schlafen ab. Vertrauten einander vom anderen geweckt zu werden, wenn sich etwas veränderte.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Es war Heiligabend....alles sah bei uns wie in jeder Familie aus.

 

Patrick hatte gekocht, mit Luisa den Baum geschmückt und Lina hatte genau aufgepasst bei jeder glänzenden Kugel, die in ihr Sichtfeld gehangen wurde.


Sie liebte Glanz und Kerzenlicht...sie lächelte heute besonders viel.

 

 

 

 

 

 

Es gab mir etwas Mut....kurz nach der Bescherung schlief sie auf meinem Arm ein.

Luisa ,Patrick und ich spielten bis in die Nacht.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Luisa schlief lächelt in ihrer neuen Bettwäsche ein.

 

 

 

Kurz darauf wachte Lina auf ....

Patrick trug sie hin und her.

 

Ich sah ihnen zu und wurde traurig....es war wohl das letzte Weihnachten mit ihr.


Aber ich wollte sie doch vom Kindergarten abholen sagte Patrick traurig. Traurig ging das Fest dahin.

Draußen Schnee bis zum Fenster....ja so war es bei uns das Fest der Liebe.


Liebe gab es bei uns genug , aber auch genug Tränen an diesem Abend.

 

Am nächsten Tag versuchte ich mit Luisa zu sprechen ,aber ich merkte schnell dass sie mich längst verstand.

 

Mama - “Lina wird bald ein Engel sein“, sagte sie!

Sei nicht traurig ,der liebe Gott braucht zu Weihnachten immer viele Engel und sicher fehlt ihm einer.

 

Ich schluckte...Luisa verstand.

Sie war Lina immer noch so viel näher als wir.

 

Patrick ging traurig spazieren.


Wir hatten bis Silvester ein paar schöne Tage Lina ging es deutlich besser und Hoffnung kam auf.

Vielleicht hatte sie nur wieder mit uns geübt...wie so oft!!


 

 

 

 

 

 

Sebastian tat mir einen großen Gefallen und befestigte Linas Weihnachtsgeschenk noch zwischen den Tagen....sie war so glücklich in ihrer neuen Hängeschaukel.

Danke dafür!!

 

Lina war gut drauf und Silvester stand vor der Tür.

 

Wir waren zum Essen bei Freunden eingeladen und Claudia wollte gern mit Lina feiern.

 

Aber etwas feiern wollten wir auch....wir begannen schon am Nachmittag die Wohnung hübsch zu schmücken, Feuerwerk und Wunderkerzen waren gekauft.


Lina bekam gut Luft und war sehr aufmerksam.

Schneesturm draußen und bitter kalt.

 

Als es dunkel wurde machten wir uns fertig und wir Mädels machten noch zum Spaß ein Fußbad.

Linchen hatte immer Käsefüße und wir wollten schließlich mit sauberen Füßen ins neue Jahr.

Es war ein Spaß..... Luisa war ganz albern.

 

Der Druck der letzten Tage verschwand etwas aus unseren Gesichtern.....

 

 

 

 

 

Patrick bereitete das Feuerwerk vor und Luisa konnte es kaum noch abwarten...sie schlürfte glücklich an ihrer Kinderbowle.

 

Lina und ich standen gespannt vor der Balkontür und sahen hinaus zu den anderen Beiden.

Luisa und Patrick spielten Feuerteufel und waren ganz süß dabei anzusehen.


Das Feuerwerk startete....ein tolles Feuerwerk, Luisas und Linas Augen leuchteten.

 

Ich hielt Linas Hand und genoss den Augenblick.

Patrick lächelte wieder....


Es waren diese kurzen Momente, die uns aufatmen ließen.

 

Lina schlief kurz für ein paar Minuten ein und lächelte im Schlaf weiter....

Ein Engelslachen....


In der Zeit bereiteten wir das Bleigießen vor.

Lina wurde sondiert und danach wollten wir mal sehen, was bei diesem Hokuspokus so raus kam.

Glaubte bisher nie an so was, aber Luisa war ganz gespannt.


Claudia kam in einer Stunde und wir begannen.

 

Wir 3 hatten alle undeutlich Figuren und ich wusste wieso ich es noch nie probiert hatte.

Luisa grübelte und sah sich jede Figur genau an.

 

Dann war Lina aufgewacht und jetzt an der Reihe........


Lina war ganz aufmerksam, was sie selten direkt nach dem Aufwachen war.

Selten war sie so aktiv......

 

Wir fischten ihr Bleistück aus der Schüssel - es war ein Engel!!!

Ich wurde blass....blieb stumm!


 

 

 

 

Patrick und ich trauten es nicht auszusprechen.

Luisa sagte ganz unbefangen-Linchen hat einen Engel, sie zeigte Lina stolz die Figur!!

 

Mir liefen Tränen die Wange hinunter und mir wurde komisch....ich ging an die frisch Luft.

Patrick war still.


Luisa lockerte das ganze auf und tanzte auf Lilly Fee und zündete für Lina wieder Wunderkerzen an.

 

 

 

 

 

Lina war so glücklich an diesem Abend, ihre Augen leuchteten.

Ich war so so traurig.....aber konnte es ganz gut verbergen.

Lina wusste es...sie sah mich immer an, als wollte sie sagten wie der Junge damals im Hospiz

Mama - sieh zu mir hin -halte aus!!


Ich wusste sie bereitete uns Schritt für Schritt auf das letzte Sandkorn vor.

Ich hatte keine Lust mehr auf die Feier, wollte bei ihr bleiben.


Aber sie war in guten Händen....wir gingen bis kurz nach Mitternacht zu Freunden ein paar Straßen weiter.

 

Das neue Jahr hatte begonnen und was heißt das nun für uns?

 

Als wir um halb 1 nach Hause kamen schlief Lina tief und fest.

 

Claudia erzählte mir das sie vor Mitternacht geschlafen hatte und genau um 0 Uhr aufgewacht war. Sie hatte Claudia besonders angeschaut, als wollte sie sagen danke das du da bist und ist wieder eingeschlafen.

 

Claudia war froh diesen Abend mit ihr verbracht zu haben.

Auch uns tat der Tapetenwechsel gut.


Nun war der 1. Januar 2009.....ich fühlte mich so hilflos und klein...meine Eltern verzweifelten schon bei meinem Anblick.

 


 

Meine Eltern planten trotz Kummer Papas 50. Geburtstag. Am 2. Januar feierten wir ihn. Aber Lina plante wohl auch...aber was??

 

Deutlicher wurden sie jeden Tag....ihre Flügelchen. Aber nur ich nahm sie wahr....

Ich konnte es jetzt akzeptieren, ich spürte innerlich diese Ruhe.

Die Angst war weg und ich konnte es einfach zulassen.

 

 

 

 

 

 

Sie wollte zurück an den Himmel.

 

Ich gab sie frei..... mit einer unbeschreiblichen Würde verabschiedete sie sich auf ihre Weise von den Menschen, die sie liebte.

Und flog am 7. Januar aus meinen Armen davon.

Die Sanduhr war abgelaufen.

 

Dieses Kind zog uns bis zum Schluss in ihren Bann.

 

Die letzte Woche ihres Lebens war so intensiv, dass wir diese letzten Tage immer in unseren Herzen tragen werden.

 

In unseren Herzen und nicht als Text hier auf dieser Seite!!

 

WIR werden noch lange daran verarbeiten ,aber das Gefühl, dass es ihr Wille war als sie ging, gibt uns die Kraft um Abschied zu nehmen.

 

Sie hatte so oft mit uns geübt.

Sie hat uns gelehrt Abschied zu nehmen, wenn es Abschied zu nehmen heißt!

 

WIR hatten gewonnene Zeit ferner aller Statistiken!!

Aber mein Mutter Herz sagt mir -TROTZDEM NICHT GENUG!!!


Ich liebe dich über alles kleiner Schmetterling.

 

DANKE das es Dich in meinem Leben gab und in meinem Herzen immer geben wird -

bis wir uns eines Tages wieder sehen.

 

Danke Patrick

Danke Luisa Marie

Danke Claudia mit Familie

Danke Mama und Papa mit Julian

Danke Daniel mit Sandra Jan und Pia

Danke Manuel mit Sarah

Danke Sebastian und Steffi

Danke Mareike und Andreas

Danke Lukas

Danke meiner ganzen Familie und jedem der in der schlimmsten Zeit zu uns gestanden hat.

Ohne euch hätten wir diese Zeit nicht geschafft.


Ich werde euch ewig dafür danken!!

 

Lina wird immer ein Teil von uns sein....vergesst sie nicht!!

 

Trauer kann man nicht überwinden,

wie einen Feind.

Trauer kann man nur verwandeln,

-den unsagbaren Schmerz in Hoffnung.

Und die Hoffnung in tieferes Leben.